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Kiel um 1820 - Ein Reisebericht von J. Taillefas (7)


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Der Kieler Hafen
Der Kieler Hafen gewährt sowohl durch seine reizenden, mannichfaltigen Umgebungen, wie durch das rege Leben selbst, das auf ihm statt findet, den Reisenden einen unaussprechlichen Genuß. Des Hafens Ende begränzt ein Theil von Kiel mit seinen großen Packhäusern, der Schiffswerfte, der Zollbrücke, der Holstenbrücke, durch die der kleine Kiel in den Hafen strömt, einer Reihe Häuser der langen Vorstadt, der Zuckersiederey, einem großen, weitläuftigem Gebäude und der Ziegelbrennerey (Anm.: am Ziegelteich). [...]

Jede Jahreszeit beut neue Scenen. Deckt der Winter ihn mit seiner Eisrinde, so ergötzen uns die Menge der kleinen Schlitten, die mit der Pike fortgeschoben werden; die Eisböte mit schwellenden Segeln; die größeren Schlitten, mit dem Glockenbehang'nen Rosse, das ein bunter Federbusch ziert; die Schlittschuhlaufenden im bunten Gedränge, in künstlichen Bewegungen und Schwenkungen. Man soll nichts Lieblicheres sehen können, als an einem heitern Wintertage diese vielfachen Gruppen.

Doch ein andres Geschlecht erscheint. Der Frühling naht. "Schiffern und Fischern gehört wieder die wallende Flut". Die lang' eingekerkerten Schiffe zieh'n, wie die Zugvögel, in andere Länder. Weiße Segel der Kommenden und Gehenden bedecken die Fläche. Die Ellerbecker Kähne langen wieder an jedem Morgen mit ihrer Beute bey der Stadt an. Die Sandböte kehren zurück, und der weiße, reinliche Streusand thürmt sich in langen Reihen am Walle auf.

Allein schöner noch ist der Sommer. Die milde Luft lockt die Bewohner nach den nahgeleg'nen Gegenden. Böte, mit bunten Menschen angefüllt, eilen herüber, hinüber. An warmen Abenden fehlen nur die Gondeln, um sich in Italien zu wähnen. Feuerwerke, Gesang, Musik sind nicht selten auf dem Wasser. Zuweilen vereinen sich die Musensöhne zu solchen Wasserparthien; viele Böte ziehen geschaart neben einander; die Fackeln leuchten wieder aus der duncklen Flut; Musikchöre unterstüzzen die trefflichen Sänger. Die Alleen sind mit Menschen bedeckt - das Ganze gewährt einen erhebenden Genuß.

Im Herbste nimmt das Wogen und Treiben auf dem Hafen freilich ab; aber auch die Herbststürme bieten ein schönes Bild des Meeres dar. Die weißen schäumenden Wellen schlagen gewaltsam über das Ufer; die Wasser-Allee ist öfters von ihnen bedeckt. Die Schiffe suchen den Hafen; die letzten eilen, mit Korn und andern holsteinischen Producten beladen, vor dem einbrechenden Winter davon.

Dänische, Englische, Schwedische, Holländische, Amerikanische, Ostindische Schiffe besuchen den Kieler Hafen. Wenn bey Festlichkeiten all' die bunten Flaggen wehen, so giebt es einen schönen Anblick. Vom Stapel laufen oft, unter dem Zuruf der wogenden Menge, große Schiffe ab - häufig mehrere im Jahre. Nicht ohne Interesse, ja, man mögte sagen, Wehmuth, begleitet der Zuschauer die neuen Gebäude in's unbekannte, sturmerfüllte Meer.


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