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Kiel um 1820 - Ein Reisebericht von J. Taillefas (3)
Schloss(garten)
Der Thurm auf der Vorderseite wurde sonst zu astronomischen Beobachtungen benutzt, aber die Baufälligkeit desselben räth jetzt, lieber auf platter Erde zu bleiben. Wer von Kopenhagen kommt, und das Observatorium dort auf dem runden Thurm gesehen hat, vermißt es hier um so fühlbarer; da überdieß ein geschickter Professor der Astronomie in Kiel angestellt ist, so ist zu bedauern, daß Theorie und Praxis nicht verbunden werden kann. Die eine Seite des Schlosses nimmt die Schloßkirche ein, die klein und einfach, aber sehr würdevoll gebaut ist. Jetzt ist sie den Vorträgen der Mitglieder des homiletischen Seminar's eingeräumt, die an jedem Sonntag Morgen, die Zeit der Ferien über ausgenommen, gehalten werden. [...] Außerdem ist unten im Schlosse eine Kapelle, in der, unter der großfürstlichen Regierung, russischer Gottesdienst gehalten wurde, zu welchem Behufe immer ein Pope in Kiel sich aufhielt. Der Schloßgarten ist im alten, französichem Geschmack - aber die Hecken gewähren Schutz gegen die rauhen Ostwinde. Er steht den Kielern zu jeder Tageszeit offen. An jedem heitern Tage benutzet ihn die schöne Welt, um sich zu ergehen. Als Beweis des ästhetischen Gefühls der Kieler Einwohner möge der Nachtigallen-Wächter im Schloßgarten gelten, der, während der Nachtigallenzeit gehalten wird, um allen Frevel der Störenfriede und bösen Buben zu wehren. Die Nachtigallen erkennen es mit Danck: - sie mehren sich sehr und ergötzen in lauen Nächten das Ohr des Horchenden. Brunswyck Viele Studenten bewohnen den Flecken, um hier Stadt und Land zu verbinden. Die Wohnung eines Landmanns auf einer kleinen Anhöhe, wird oft im Sommer besucht, um die schöne holsteinische Milch, die frisch und geronnen zu haben ist, hier zu genießen. An warmen Abenden findet man unter der alten Linde die kleinen Tische freundlich vertheilt. Brunswyck, wie das Dorf Garden, sind die Gemüsegärten der Kieler.
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