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Kiel um 1820
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Kiel um 1820 - Ein Reisebericht von J. Taillefas (2)


1. Düsternbrook | 2. Alt-, Vorstadt | 3. Schloss(garten) | 4. Uni | 5. Ostufer | 6. Umschlag | 7. Hafen

Kiel allgemein
Die Universität [...] so wie beträchtliche Handlung und Schiffahrt machen Kiel, nach Altona, zur bedeutendsten Stadt in Holstein. Die Lage an einem Meerbusen, welcher der Kieler Ford heißt und einen bequemen Hafen bildet, ist für die Handlung sehr günstig.

Die Stadt ist wohlgebaut; besonders schön sind die Holstenstraße und die Vorstadt; in beiden finden sich neue, schöngebaute Häuser. Die Stadt zählt gegen 7000 Einwohner. Schon die Einfahrt nach Kiel, sowohl von der Wasser- als Landseite ist sehr freundlich. Auf dieser sind die vielen Land- und Gartenhäuser zu bemerken, so wie eine Allee schöner Pappeln (Anm.: vermutlich die Hamburger Chaussee).[...]

Der Kirchen sind zwey in Kiel, die St. Nicolai Kirche und die ehemalige Klosterkirche, jetzt Garnisonskirche. An beiden stehen drey Prediger. Die St. Nicolai Kirche ist alt und gothischer Bauart; die neuangebrachten stüzzenden Pfeiler geben ihr ein befremdendes Ansehen. Die Kirche ist größtentheils gedrängt voll, der Gottesdienst feierlich und nicht ohne Salbung. [...]

Von Fabriken sind nur Hutfabriken bemerkenswerth. An Künstlern in jedem Fache ist kein Mangel. [...] In geselliger Rücksicht ist es von einer Stadt, wie Kiel, einem Sitze der Wissenschaften, nicht weniger zu vermuthen, daß sie ein, ihr entsprechendes Institut aufzuweisen habe. Die 'Harmonie' ist ein solches, mit einem sehr geräumigen Local, wovon das Lesezimmer jedoch eine Ausnahme macht, da es im Verhältniß zu den übrigen, sehr klein ist, auch keinen großen Aufwand von Büchern besitzt. [...]

Der Kirchhof, nahe bey der alten verfallnen St. Jürgenskirche, hat viele schöne Monumente, unter denen, seit 1818, das Denkmal, welches dem seel. verdienstvollen Professor Müller errichtet ist, vorzüglich die Aufmerksamkeit des Reisenden auf sich zieht. Der frische Seewind verweht den Moderduft. Überhaupt ist die Lage des Kirchhofs (Anm.: Jetzt der Parkplatz zwischen Bahnhof und Provinzial-Gebäude), fast am äußersten Ende des Hafens, sehr freundlich.

Kiel um 1800, vom Vieburger Gehölz aus gesehenKiel von der Südseite gesehen - Gemälde von C.J. Bünzow, um 1800. Der Maler wählte eine häufig verwendete Perspektive von Vieburg aus. Dort dürfte heute in etwa der Fernsehturm stehen.

 

Ein Fußpfad führt über ihn und weiter, links das Meer, zur Seite Saatfelder, über einen langen hölzernen Steg nach dem Dorfe Garden, das, ehe Düsternbrock wirthlich eingerichtet war, sich eines noch weit größeren Besuches, als jetzt, erfreute. Aus einem Garten, dem Gasthause am Hafen gegenüber, hat man eine herrliche Aussicht, welche, wenn man sich auf die nicht weit entfernte, am Saum des Buchenforstes beleg'ne Höhe Viburg begiebt, seinen vollständigen Werth erhält. Man sieht Kiel, den Hafen, die Umgebungen, welche Aussicht von mehreren Reisenden mit dem Golf von Neapel verglichen ist.

Unfern hiervon liegt Krusenrott im Thale, ein liebliches, ländliches Wirtshaus. [...] Die beiden Krankenhäuser, das Friedrichshospital in der flämischen Straße und das Stadt-Krankenhaus bey dem botanischen Garten (Anm.: an der Prüne) stehen beide unter der Leitung berühmter und achtungswerther Professoren [...] Das Muhliussche Waisenhaus verdient nicht übergangen zu werden: mancher Verwaißte fand hier Zuflucht - die Waisen werden gut gehalten.


1. Düsternbrook | 2. Alt-, Vorstadt | 3. Schloss(garten) | 4. Uni | 5. Ostufer | 6. Umschlag | 7. Hafen