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Kiel um 1820
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Kiel um 1820 - Ein Reisebericht von J. Taillefas


1. Düsternbrook | 2. Alt-, Vorstadt | 3. Schloss(garten) | 4. Uni | 5. Ostufer | 6. Umschlag | 7. Hafen

J. Taillefas, ein offensichtlich sehr sprachbegabter junger Mann aus dem Baltikum, reiste 1817 von Kopenhagen nach Kiel und von dort nach Schönberg in der Probstei. Die Fahrt von Kopenhagen nach Kiel mit dem Paketboot dauerte damals drei Tage, in diesem Fall sogar sieben, da das Schiff wegen widriger Winde umkehren musste und vier Tage in Kopenhagen festlag. Auszüge dessen, was er über Kiel zu sagen hat, finden sich auf dieser und den Folgeseiten. Zunächst ein Spaziergang nach 'Düsternbrock':

Ankunft
Die mit Gefahren verknüpfte Seereise war überstanden, ich im sichern Port und in einer der freundlichsten Gegenden Nord-Deutschlands. Die gemüthliche Stadt, bey der ich landete, mit ihrem Hafen, erweckte in mir das selt'ne Gefühl erlangter Ruhe und bot meinem Herzen einen wohlthuenden Genuß dar.

Kiel um 1800, von Brunswik aus gesehenKiel von der Nordseite gesehen - Gemälde von C.J. Bünzow, um 1800. Der Maler steht oder sitzt in der Brunswiker Feldmark, in etwa dort, wo heute das Bildungsministerium (früher Sozialministerium) in die Höhe ragt.

 

Ich stieg, in Begleitung beider nach Hamburg reisenden Kaufleute, in der Stadt Kopenhagen ab, einem in der Nähe des Hafens belegenen Gasthofe. Es war ein heit'rer Tag geworden, der zu einem Spaziergange einlud. Nach eingenommenem Mittagessen machte ich daher sogleich eine Excursion mit Herrn H., der auch zum erstenmal hier durchreißte, nach dem, den Kieler Einwohnern so theuern Düsternbrock.

Spaziergang nach Düsternbrook
Mit Herrn H. Arm in Arm mischte ich mich unter die Menge der dahin Wandelnden beyderley Geschlechts. Vom Stadtthore ab (Anm.: Dänisches Tor) geht der Weg durch Schattengänge längs dem Hafen hin. Man muß durch den königlichen Garten (Anm: Kiel war seit 1783 dänisch, daher auch der Schlossgarten 'königlich' und nicht 'fürstlich') und die Höhenpflanzungen, unter denen sich eine treffliche Allee hoher Linden, auf die sogleich eine hohe Ulmen-Allee folgt, besonders auszeichnen.

Von diesen Höhen hat man eine schöne Aussicht nach dem belebten Hafen und dessen gegenseitige Ufer. Nach Düsternbrock führt eine neuangelegte Allee, die das künftige Geschlecht im Schatten hinzuführen verspricht. Der Wald und die Höhe von Düsternbrock sind unstreitig die schönste Parthie der ganzen Gegend.

Seine steilen Gestade dämmen sich den Brandungen der anprellenden Meereswogen entgegen und scheinen ihnen mit Kälte Trotz zu bieten; obgleich auch hier die immer wiederkehrenden Wellen schon manche Erdscholle abgerissen und dadurch den Pfad längs dem Königlichen Obstbaumgarten beynahe unwegsam gemacht haben.

Es ist eine, in jeder Hinsicht malerische Gegend, deren gehaltvoller Werth, selbst in ihrem inneren Wesen, kaum eine Schilderung leidet. Die innern Parthien, die Promenaden, die Erholungsplätze verraten Anmuth und Lieblichkeit. Hieher gehören die beyden Gasthöfe, von denen der eine in der Mitte des Holzes auf einer Anhöhe liegt (Anm.: vermutlich die bei Studenten beliebte Waldwirtschaft "Sanssouci", die 1865 abbrannte). Von hier aus ist durch die hohen Buchen eine Aussicht nach dem Hafen und der Steinbrücke, wo die Böte mit bunten Menschen anlanden, ausgehauen, die sehr hübsch ist (Anm.: Der Hafen befand sich damals zwischen Schloss und Bootshafen, die Obstbaumschule auf der Anhöhe gegenüber dem heutigen Hotel Maritim Bellevue, wo auch der Aussichtspunkt 'Bellevue' lag, während die gleichnamige Seebadeanstalt 1822 auf Höhe des Landeshauses entstand.).

Lincks von der Obstbaumschule und Düsternbrock, etwas weiter landeinwärts, liegt die in ihrer Art ausgezeichnete Baumschule der Forstacademie (Anm.: Forstbaumschule).[...] Allerliebste Plätze vereinen auch hier das utile dulci. Ein kleines Häuschen, außen und innen mit Hirschgeweihen geziert, dient dem Professor, Ritter Niemann, unter dessen Direction diese Schule steht, zum Erholungsorte. Auch hält er hier im Sommer seine Vorlesungen. [...]

Auf dem Heimwege kehrten wir noch beym Gastwirth Brun ein, dessen geschmackvolles Haus vor dem Holze liegt, mit dem es aber durch Anlagen und Lustpfade verbunden ist. In den, das Haus umgebenden Lauben war noch alles lebendig. Die Lichter schimmerten freundlich durch das lachende Grün. Spät Abends kehrten wir, mit schönen Bildern erfüllt, nach Kiel zurück.


1. Düsternbrook | 2. Alt-, Vorstadt | 3. Schloss(garten) | 4. Uni | 5. Ostufer | 6. Umschlag | 7. Hafen