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Kurze Geschichte der Stadt KielDie Kieler Geschichte lässt sich grob in zwei Perioden teilen. Bis 1867 war Kiel eine Kleinstadt von ausschließlich lokaler Bedeutung. Erst nachdem die Stadt preußisch und schließlich Reichskriegshafen wurde, wuchsen Bedeutung und Einwohnerzahl. I. 1242 - 1867Stadtgründung Stadtgebiet Anfangs gab es nur wenige Straßen. Vom Markt nach Norden führten die Dänische und die Smedestraße (Schmiedestraße, die spätere Schloßstraße), nach Süden die Kehden- und die Brückenstraße, später in Holstenstraße umbenannt. Zum Kleinen Kiel gelangte man durch die Küterstraße (Küter = Fleischer) und die Haßstraße ('Harte' = Hirsche, dort befand sich ein Wildgehege am Kleinen Kiel). Vier Straßen führten zum Hafen: Vom Markt aus die Flämische- und Schuhmacherstraße, von der Smedestraße aus die Ritterstraße (später Fischerstraße) und Kattenstraße (Katten waren Geschütze, am Ende dieser Straße wurden in einem Anbau an die Stadtmauer die städtischen Waffen gelagert). Dazu gab es noch die Burgstraße zwischen Dänischer und Smedestraße.
Wirtschaft im Mittelalter Der Fernhandel war für Kiel nie von großer Bedeutung. Zwar gab es wohl Handelsbeziehungen mit Flandern (über Flemhude, die Eider und die Nordsee), Skandinavien und Russland, aber für einen wichtigen Fernhandelshafen fehlten Kiel das Hinterland, gute Landverbindungen nach Hamburg oder Lüneburg und/oder eine Binnenwasserstraße. So blieb Kiel vor allem lokaler Markt für Baumaterialien, Vieh, Fleisch, Butter, Getreide und Hopfen (es gab zeitweise 35 Brauereien in der Stadt, da jeder Bürger für den Eigenbedarf Bier herstellen durfte). Der Kieler Umschlag Der Umschlag begann immer am 6. Januar, die Geldgeschäfte mussten am 14.1. beendet sein, wobei säumigen Zahlern noch drei 'Respittage' bis zum 17.1. eingeräumt wurden. Wer bis dahin seine Schulden nicht bezahlen konnte, wurde vom Gläubiger arrestiert (ins 'Einlager' gebracht), bis die Schuld beglichen war. Nach dem 17.1. begann ein Jahrmarkt, der bis zum 2. Februar dauerte, dann wurde die Umschlagsfahne an der Nikolaikirche (im Volksmund 'Den Börgermester sin Büx') wieder eingeholt. Der Umschlag verlor erst im 19. Jahrhundert allmählich an Bedeutung. Die Gründung der Universität Die Stadt hatte deshalb Bedenken, weil alle Universitätsangehörigen nicht der städtischen Gerichtsbarkeit unterlagen und auch keine Steuern zahlen mussten, selbst wenn sie Häuser in der Stadt kauften. Außerdem gab es häufig Ärger mit den trinkfreudigen Studenten. Anfangs gab es theologische, juristische, medizinische und philosophische Fakultäten. Um 1700 hatte die Universität etwa 300 Studenten, eine ganze Menge bei ca. 4.500 Einwohnern. Ihren anfangs guten Ruf hatte sie z.T. schon eingebüßt, weil kein Angehöriger des Hochadels mehr dort studierte. Der Adel in Kiel Eines von zahlreichen Beispielen adliger Untaten, die Bremer in seiner Chronik schildert, sei hier wiedergegeben. Es stammt aus dem Jahre 1593: 'Marquard Broktorf vom Schrevenborn hat bey nächtlicher Zeit mit seinen Gehülfen einer Bürgerin Sielke Mahlers große Gewald an ihrer Thür und Fenstern verübet, dieselben eingeschlagen, ist hineingestiegen, hat die Thüren geöfnet und ihre Geste mit gewehrter Hand, mit Büchsen, bloßen Schwertern und Spießen gesuchet, vertriben und verjaget, auch des Pastoris Magister Detheri Mauritii nicht geschonet, welcher endlich über die Mauren kümmerlich davon kommen. Der Edelman hat in die Betten, Heu und Stroh mit bloßer Wehre gestochen und also gern beschädigen wollen. Sie haben zuletzt einen derselben Gäste angetroffen, der sich mit der Flucht retten wollen, ihn auf der Straßen verfolget und denselben von hinten zu in dem Rücken eine Wunde länger als eine Spanne gehauen, daran derselbe lange Zeit bis auf den Todt krank gelegen.' Katastrophen Kriege 1536 - im Krieg Dänemarks gegen Lübeck - lagerten ein Jahr lang Landsknechte in der Stadt. Im Dreißigjährigen Krieg waren schwedische und kaiserliche Truppen häufig in Kiel, das 1627 von den Kaiserlichen erobert und 1628 von den Dänen belagert wurde. 1643 kamen dann die Schweden und wurden 1644 von den Kaiserlichen vertrieben. Im Winter 1813/14 lagen für sechs Wochen fast 8.000 Mann der vereinigten schwedischen, russischen und deutschen Truppen in der Stadt, die damals nicht mehr als 9.000 Einwohner hatte. Man kann sich die Zustände kaum vorstellen. Schließlich gingen die schleswig-holsteinischen Befreiungskriege (1848-51) von Kiel aus, von direkten Kampfhandlungen blieb die Stadt aber verschont, ebenso in den Kriegen zwischen Dänemark und der Allianz Preußen-Österreich, die 1864 zunächst zu einer Zweiteilung der Stadt in ein österreichisches und ein preußisches Gebiet führte. 1867 wurde Kiel dann endgültig preußisch, nachdem es über 600 Jahre von Dänemark oder Dänemark eng verbundenen Herzögen und Grafen regiert worden war. |